Schwitzen mit Manuela

Schwitzen mit Manuela

Auf die Geburts­tage von Antje freue ich mich immer ganz beson­ders. Meist sind wir zehn Mädels, die Lust auf einen unbe­schwerten Abend haben und etwas Neues auspro­bieren wollen. Zum Beispiel eine Kakao-Zere­monie oder ein Räucher­ri­tual. Am Ende der letzten gemüt­li­chen Runde machten wir uns Gedanken, was wir schon immer mal erleben wollten. Noch leicht bene­belt von den getrock­neten Flie­gen­pilzen, die wir geräu­chert hatten, warf Antje die Idee in den Raum, dass wir gemeinsam eine Schwitz­hütte bauen könnten. Die Idee stiess auf Zustim­mung, wenn nicht gar auf Begeisterung.

Immer, wenn wir uns in den folgenden Monaten sahen, kamen wir auf die Schwitz­hütte zu spre­chen. Dummer­weise hatte keine in unserem Freun­des­kreis auch nur die geringste Erfah­rung damit. Und niemand konnte sich vorstellen, wie das in Antjes Garten gehen sollte. Auch wenn dieser für Schweizer Verhält­nisse riesig ist. Und die verschie­denen «Bauan­lei­tungen» im Internet brachten uns auch nicht weiter. So wurde das Projekt «Schwitz­hütte» klamm­heim­lich aus dem Geburts­tags­pro­gramm gestri­chen und durch eine weitere Räucher-Runde meiner­seits ersetzt. Ich war leicht frustriert. Denn auch ich wollte endlich einmal eine Schwitz­hütte erleben.

Das Schicksal hatte Erbarmen und schickte Manuela in mein Leben. Sie hatte die span­nende Idee, während der Advents­zeit an jedem Tag etwas Neues auszu­pro­bieren, das sie nie zuvor in ihrem Leben gemacht hatte. So kam sie zu mir ins Rock’n’Bow nach Eglisau zum «Bogen­schiessen für Frauen». Ich fand die Idee gross­artig. Und bewun­derte Manuela für ihren Mut. Wir verstanden uns vom ersten Moment an wunderbar und nach drei kurz­wei­ligen, span­nenden und abwechs­lungs­rei­chen Stunden hatte ich das Bedürfnis, unbe­dingt auch die Arbeit von Manuela näher kennen­zu­lernen. Und so meldete ich mich für eine von Manuela orga­ni­sierte Schwitz­hütte an.

Das kostete mich Über­win­dung. Denn es kam mir ein biss­chen wie ein Verrat an Antje vor. Viel­leicht würde es ja dieses Jahr klappen mit der Schwitz­hütte …? Am Ende über­wogen meine Neugier und meine Unge­duld: Ich wollte endlich wissen, was es mit diesen sagen­um­wo­benen Schwitz­hütten auf sich hat. Und das möglichst bald.

Ich habe schon an verschie­denen Initia­tionen, Ritualen und Zere­mo­nien teil­ge­nommen. Die eindrück­lichste mitten im Regen­wald. Über eine Flug­stunde von jeder Zivi­li­sa­tion entfernt. So stellte ich mir auch die Schwitz­hütte vor: fernab von jeder Zivi­li­sa­tion. Irgendwo mitten im Wald. Aus diesem Grund war ich fast ein biss­chen enttäuscht, als ich die Schwitz­hütte bereits vom Park­platz aus erblicken konnte: «So nah war das?». Ich war doch gerade erst von der Haupt­strasse abgebogen?

Das war es dann aber auch schon mit den «Enttäu­schungen» für diesen Tag. In den folgenden Stunden reihte sich Glücks­hormon an Glücks­hormon. Am Schwitz­hüt­ten­platz fühlte ich mich sofort wohl: Manuela und Silvia hatten alles so liebe­voll ein- und herge­richtet, dass mir auf der Stelle das Herz aufging.

Gleich­zeitig fiel es mir wie Schuppen von den Augen: so eine Schwitz­hütte ist eine gewal­tige Mate­ri­al­schlacht! Wie waren wir bloss auf die verrückte Idee gekommen, dass wir das selber hinbe­kommen könnten, meine Mädels und ich? Allein schon das Aufwärmen der Steine im riesigen Feuer ist eine Kunst. Und dann erst der Trans­port der Steine zum Hütten­ein­gang. Ich ziehe noch heute den Hut vor Silvia und der Wahn­sinns-Arbeit, die sie an diesem Tag voll­brachte. Mehr als 130 Steine wollte Manuela im Laufe der Zere­monie im Inneren der Hütte haben. Und Silvia schob Stein um Stein durch die Türe. Ohne sich oder andere zu verletzen.

Die Schwitz­hütte war kleiner, als ich sie mir im Vorfeld vorge­stellt hatte. Aber das war kein Problem: Wir waren acht Personen und hatten mehr als genug Platz. Auch Antje reagierte auf meine begei­sterte WhatsApp-Nach­richt mit einem ängst­li­chen «So klein?». Ihr ist immer unwohl in engen Räumen. Und war wohl froh, dass sie an diesem Tag nicht dabei sein musste. Bei mir verhielt es sich genau umge­kehrt. Ich war unend­lich froh, dass ich an diesem Tag dabei sein durfte.

Die Begrüs­sung war herz­lich und die Vorbe­rei­tung stimmig. Es lag ein beson­derer Zauber in der Luft. Alles fühlte sich natür­lich und richtig an. Nach dem Abräu­chern kroch ich in die Hütte, suchte mir ein Plätz­chen und machte es mir bequem. Als Silvia die Decke vor den Eingang zog und es auf einen Schlag stock­dunkel wurde, musste ich für einen kurzen Moment langsam und tief einatmen. Danach war ich ange­kommen und fühlte mich in der Hütte wohl.

Nach wenigen Minuten liess Manuela verschie­dene Musik­in­stru­mente kursieren. Ich entschied mich für eine kleine Trommel und legte sie neben mich. Ich sollte sie später noch ein paar Mal brau­chen. Manuela goss zum ersten Mal Wasser über die Steine und der Duft ihrer Kräuter stieg in meine Nase. Als eifrige Sauna­gän­gerin hatte ich keine Probleme mit der Hitze. Im Gegen­teil. Ich genoss die Schweiss­perlen auf meiner Haut.

Manchmal waren mir die Inputs von Manuela fast ein biss­chen zu viel. Ich hing noch dem einen Gedanken nach, da kam schon eine nächste Frage. Aber wahr­schein­lich war genau das die Absicht der «Scha­manin vom Reppischtal». Wir sollten mit unseren Gedanken in der Schwitz­hütte bleiben und nicht abdriften. Trotzdem werde ich mich beim näch­sten Mal für eine Schweige-Schwitz­hütte anmelden. In meinem Kopf ist es schon laut genug. Da freue ich mich immer, wenn es um mich herum ab und zu etwas leiser ist. Das ist auch der Grund, weshalb ich Zen prak­ti­ziere und jeden Morgen und jeden Abend für 20 Minuten auf meinem Kissen sitze.

Die Zeit in der Schwitz­hütte verging wie im Flug. Ich hatte das Gefühl, keine 20 Minuten in der Dunkel­heit zu sitzen, als es auch schon wieder ins Freie ging. Dabei waren es mehr als 2 Stunden! Obwohl ich mir fest vorge­nommen hatte, im Anschluss in die Reppisch zu steigen, liess ich es bleiben. Es war mir am Ende doch zu dunkel und zu kalt. Ich schlüpfte in meine Kleider und genoss im Schein des Feuers die selbst­ge­machten Köst­lich­keiten von Silvia. Bei der Abschluss­runde liess ich das Erlebte noch­mals Revue passieren: Es war ein wunder­schönes Erlebnis und mit Sicher­heit nicht meine letzte Schwitzhütte!

Ich habe Antje geschrieben, dass sie das mit der Schwitz­hütte an ihrem Geburtstag besser bleiben lassen soll. Der Aufwand ist schlicht zu gross. Und dann braucht es eine erfah­rene Leiterin, welche die Gruppe durch den Abend und den Prozess begleitet. Ich habe Antje einge­laden, statt­dessen an einer Schwitz­hütte mit Manuela teil­zu­nehmen. Oder ‑wenn das Datum nicht passt- gemeinsam mit Manuela eine «private Schwitz­hütte» für uns Mädels auf die Beine zu stellen. Ich bin gespannt, ob sie meine Einla­dung annehmen wird. Ich werde auf jeden Fall wieder­kommen! Denn es war schlichtweg genial. Vielen Dank, Manuela und Silvia!

Sylke Zwicker

Der Bogenweg

Wie mir eine scha­ma­ni­sche Feuer­ze­re­monie geholfen hat, Altes zu transformieren

Wie mir eine scha­ma­ni­sche Feuer­ze­re­monie geholfen hat, Altes zu transformieren

Zwischen Salat und Pommes habe ich Ja gesagt. Ich sass mit Manuela Krah beim Mittag­essen, als sie mich beiläufig fragte, ob ich für sie einen Blog­bei­trag über ihre Scha­ma­ni­sche Feuer­ze­re­monie schreiben möchte.

Vor meinem geistigen Auge tauchten kunst­volle Mandalas aus Ästen und Tannen­zäpfen auf, die ich in Manuelas Social-Media-Posts gesehen hatte. Ich liebe Wald, ich liebe Feuer und ich vertraue Manuela. Begei­stert sagte ich zu.

Lies im Folgenden, wie die Trans­for­ma­tion durch die Feuer­ze­re­monie zum emotio­nalen Aben­teuer meines Lebens wurde.

Start­schuss für die Feuer­ze­re­monie – Ener­gie­ar­beit vom Feinsten

Manuela empfängt mich strah­lend mit zwei prallen Taschen voller Grün. Was andere Menschen zur Grün­ab­fuhr bringen, nutzt Manuela für magisch wirkende Mandalas. Das gefällt mir.

Wir laufen los, der Sonne entgegen. Vogel­ge­zwit­scher begleitet uns zur vorge­se­henen Stelle im Wald. Sie ist unscheinbar, in der Nähe einsame Reck­stangen des Vita Parcours. Manuela bereitet den Platz für das Mandala vor und erzählt mir, dass das Mandala für sie und für mich als innere Vorbe­rei­tung für die kommende Trans­for­ma­tion dient.

Ich blende alles Äussere aus und spüre hinein: Der Wald­boden strahlt Ruhe aus, die Bäume sind wohl­wol­lend. Ich spüre, dass ich bereit bin. Und ich merke, dass ich massiv über­for­dert bin mit dem Mandala. Manuela spricht aus, was ich empfinde, und legt es in aller Ruhe selbst. Da spüre ich zum ersten Mal, dass Manuela mit ihrer Energie ganz bei mir ist. Ich fühle mich augen­blick­lich sicher und öffne mich. Wie auf Knopf­druck fliessen die Tränen. Ich teile dem Wald­boden vor mir laut meine Absicht mit. Nicht ganz einfach für mich, meinem Inner­sten eine Stimme zu geben. Doch es öffnet der Trans­for­ma­tion die Tore.

Die Trans­for­ma­tion in mir lodert so lebendig wie das Feuer über dem Mandala

Ich spüre, wie das Feuer, das wir auf dem Mandala legen, ein Abbild des laufenden Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesses in mir ist. Aus kleinen Flammen wird ein Feuer, Emotionen fliessen. Manuela ist ener­ge­tisch immer bei mir. Stellt Fragen. Was ist geschehen, als du 19 warst? Welche Botschaft bringt dein Hund in dein Leben?

Ich lege meine mitge­brachten Notizen auf die knisternden Flammen. Manuela unter­stützt mich beim Wahr­nehmen, sie begleitet mich durch die aufwüh­lenden Minuten – der Höhe­punkt der Feuer­ze­re­monie ist erreicht.

Ruhe kehrt ein – die Trans­for­ma­tion der Scha­ma­ni­schen Feuer­ze­re­monie wirkt

Keine Ahnung, wieviel Zeit verstri­chen ist. Das Feuer ist nieder­ge­brannt. Was bleibt, ist eine tiefe Ruhe. Wieder scheint mir, als schwinge ich in Harmonie mit dem Wald. Ich fühle mich geborgen, eine ange­nehme Leere erfüllt mich. Als wäre ich in einem anderen Film nehme ich wahr, wie Manuela Reste des Mandalas und Asche in ein Erdloch schiebt. Als Dank lege ich einen mitge­brachten Rosma­rin­zweig auf den warmen Haufen, der mir so nah war.

Von der anschlies­senden Fahrt nach Hause weiss ich nicht mehr viel. Für andert­halb Tage verbleibe ich in dem Zustand der ange­nehmen inneren Leere, gönne mir Ruhe und starre stun­den­lang verzückt in den Garten. Nach und nach formiert sich – so scheint es mir – mein Innen­leben neu. Ich spüre, dass die Scha­ma­ni­sche Feuer­ze­re­monie mir geholfen hat, Platz für Vertrauen zu schaffen. Vertrauen in mich. Vertrauen ins Leben. Ein Gefühl, nach dem ich lange gesucht habe.

Viel­leicht erkennst du dich in dieser Erfah­rung wieder

Jede Feuer­ze­re­monie ist einzig­artig.
Und doch gibt es Gefühle und Themen, die viele Menschen mitein­ander verbinden.

Viele Menschen kommen zu einer Feuer­ze­re­monie, weil sie spüren, dass etwas in ihrem Leben verän­dert werden möchte.
Manchmal sind es alte Gedanken, emotio­nale Verlet­zungen, Ängste oder bela­stende Situa­tionen, die schon lange mitge­tragen werden.

Oft ist da einfach der Wunsch:
loszu­lassen, klarer zu werden oder sich selbst wieder näherzukommen.

Das Feuer kann dabei ein kraft­voller Begleiter sein.

Eine Feuer­ze­re­monie braucht keine Vorkennt­nisse.
Du darfst einfach mit dem kommen, was gerade da ist.

Viele Menschen bringen Themen mit wie

  • emotio­nale Erschöpfung
  • Tren­nung oder Abschied
  • innere Unruhe
  • Zweifel
  • Stress
  • der Wunsch nach Veränderung
  • das Bedürfnis nach Klarheit

Auch kleine Rituale können etwas verändern

Viel­leicht möch­test du dir selbst einmal einen kleinen Moment der Ruhe schenken.

Du könn­test heute Abend:

  • eine Kerze anzünden
  • tief durch­atmen
  • dir die Frage stellen:
    “Was möchte ich loslassen?”
  • und danach aufschreiben:
    “Was wünsche ich mir statt­dessen in meinem Leben?”

Schon kleine bewusste Rituale können helfen, wieder mehr Verbin­dung zu sich selbst zu spüren.

Viel­leicht ist jetzt der rich­tige Moment

Manchmal beginnt Verän­de­rung mit einem einzigen bewussten Schritt.
Mit einem Moment des Inne­hal­tens.
Mit der Entschei­dung, Altes nicht länger fest­halten zu müssen.

Wenn dich das Thema Feuer­ze­re­monie ruft, bist du von Herzen willkommen.

Individuelle Schwitzhütte
Mandala legen im Wald ein Selbst­ver­such von Sämi Weber

Mandala legen im Wald ein Selbst­ver­such von Sämi Weber

Mandala legen mit Manuela Krah

Immer, wenn ich es mir in meiner Komfort­zone so richtig gemüt­lich gemacht habe, tritt Manuela Krah in mein Leben und lädt mich ein, den näch­sten Schritt auf meiner Reise zu mir selbst zu machen. Also meine Komfort­zone zu verlassen und an meine Grenzen zu gehen. Und manchmal auch darüber hinaus.

Bei diesen Zusam­men­künften bleibt in der Regel kein Stein auf dem anderen. Das klingt ziem­lich schlimm. Und ist es manchmal auch. Doch die wahren Schätze liegen ausser­halb der Komfort­zone. Und die will ich mir nicht entgehen lassen. Aus diesem Grund lasse ich mich immer wieder gerne auf Manuela ein. Manchmal kommt auch Manuela auf mich zu und lädt mich zu einer neuen Erfah­rung ein. Weil sie ganz genau weiss, wo ich stehe. Und wann es Zeit für den näch­sten Schritt ist. Und heute ist offenbar Zeit für den näch­sten Schritt.

Mandalas? Nein Danke!

Manuela fragt mich, ob ich Lust hätte, mit ihr in den Wald zu gehen. Und ein Mandala zu legen. Nein, habe ich nicht. Ich schaue mir zwar faszi­niert Videos von tibe­ti­schen Mönchen an, die tage­lang wunder­schöne Mandalas legen, nur um sie gleich nach der Fertig­stel­lung wieder zu zerstören. Das faszi­niert mich. Doch mich bringen Mandalas um den Verstand. Ich hatte auch nie die Nerven, gemeinsam mit meinen Jungs ein Mandala auszu­malen. Dass die Veran­stal­tung im Wald statt­finden und 3D statt 2D vonstatten gehen soll, macht die Sache auch nicht besser. Im Gegen­teil. Ich habe 0 Zugang zu Mandalas. In Worten: null!

Meine Hoff­nung besteht darin, dass Manuela das Mandala legt. Weil sie ja ganz genau spürt, wie es um mich steht. Mich also «liest» und dann auf den Boden legt, was sie sieht und spürt. Und ich darf dann sagen, was das mit mir macht. Fast ein biss­chen wie bei einer Ener­gie­be­hand­lung, bei der man ja auch selber nichts tun muss. Meine Hoff­nung erfüllt sich nicht. Ich muss das Mandala selber legen.

Ein Koffer­raum voller Gartenabfälle

Damit wir dem Wald nichts rauben, hat Manuela ein Auto voller Garten­ab­fälle mitge­bracht. Ich bin beim Anblick der vielen Kräuter und Pflanzen komplett über­for­dert. Immerhin hat der volle Koffer­raum den Vorteil, dass ich nichts im Wald zusam­men­su­chen muss. Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich wüsste, welche Äste, Steine und Tannen­zapfen ich für mein Mandala brauche. In solchen Dingen ist meine Vorstel­lungs­kraft gleich null.

Nein, ich gehe nicht in den Wider­stand. Ich versuche wirk­lich nach bestem Wissen und Gewissen das zu machen, wozu mich Manuela anregt. Denn bis jetzt bin ich immer gut damit gefahren. Sehr gut sogar. Manuela beob­achtet, fragt, kommen­tiert. Mandala­legen im Wald ist ein biss­chen wie Coaching unter freiem Himmel. Mit dem kleinen, grossen Unter­schied, dass etwas Konkretes passiert, über das wir reden können. Das Mandala ist so etwas wie ein Türöffner. Oder Stell­ver­treter. Irgendwie erin­nert mich die ganze Geschichte ein wenig ans thera­peu­ti­sche Bogen­schiessen, bei dem ich manchmal als Assi­stent aushelfe. Die Art und Weise, wie jemand den Bogen hält und schiesst, ermög­licht der Thera­peutin, leichter mit den Klienten ins Gespräch zu kommen. Genau so verhält es sich beim Mandalalegen.

Wildes Chaos statt geord­netes Mandala

Mein Mandala nimmt langsam aber sicher Gestalt an. Auch wenn ich von Anfang an gewusst habe, dass ich kein Talent für solche Dinge habe, also nicht allzu viel erwartet habe, gefällt es mir über­haupt nicht. Das macht schon mal ziem­lich viel mit mir. Ich befinde mich irgendwo in einer Zone zwischen gren­zen­loser Enttäu­schung und aufstei­gender Wut. Das Letzte, was ich in einer solchen Situa­tion brau­chen kann, sind Fragen. Doch die kommen von Manuela so sicher wie das Amen im Gebet. Denn Manuela entgeht nichts. Ihre Fragen nerven. Und das nicht zu knapp. Aber sie bringen mich weiter. Auch wenn ich das in diesem Stadium (noch) nicht wahr­haben will.

Mein erster Impuls ist, das Mandala zu zerstören. Doch mein Verstand ist dagegen. Er will weiter­ma­chen. Und die Wut über das miss­glückte Mandala aushalten. Wie immer gewinnt er. Und wie immer ist es die falsche Entschei­dung. Nach weiteren zehn Minuten weiss ich: Dieses Gestrüpp am Boden hat nichts, aber auch rein gar nichts mit mir zu tun! Es muss weg! Sofort! Und mit einem Mal sehe ich glas­klar vor mir, wie mein Mandala aussehen muss. Als Erstes muss ich den Boden aufräumen. Das viele Laub macht mich wahn­sinnig. Am lieb­sten würde ich alles fein säuer­lich rechen. Und eine schöne braune Fläche von vier auf zwei Metern planieren.

Gehen mit dem, was ist

Aber das geht nicht. Ich habe keinen Rechen. Manuelas lako­ni­sche Antwort auf meinen Wunsch nach einem Rechen: Gehen mit dem, was ist. Also wird der Boden nicht ganz so schön dunkel­braun und ausge­gli­chen, wie ich mir das gewünscht habe. Denn ich sehe vor meinem geistigen Auge kein klas­si­sches Mandala. Sondern mehr so ein Ikebana-Bild. Manuela hilft mir, meinen Wunsch in die Tat umzu­setzen. Ich lerne: Beim Mandala­legen geht es nicht darum, ein möglichst symme­tri­sches oder ein möglichst schönes Bild zu erschaffen. Und noch viel weniger geht es darum, ein Kunst­werk zu erschaffen, an dem sich die Fussgänger:innen nach uns erfreuen können. Der Weg ist das Ziel. Und nicht das Mandala.

Ich beginne damit, mein ganz persön­li­ches Mandala zu legen. Ich nehme die schönste Blüte aus dem Fundus von Manuela und lege sie sieges­si­cher in die Mitte meiner braunen Fläche. Ich bin mir 100 % sicher, dass es genial aussehen wird. Doch erstens kommt es anders, als man zwei­tens sehr oft denkt. Es sieht einfach Scheisse aus! Ich spüre, wie langsam, aber sicher die schiere Verzweif­lung in mir hoch­steigt. Ich war mir sicher, mit dem Ikebana-Bild den Kopf aus der Schlinge ziehen zu können. Und nun das. Im ZEN spre­chen wir oft vom Rahmen, der alles vorgibt. Und wie wir inner­halb von diesem Rahmen Frei­heit erleben können. Also verpasse ich meinem Bild, respek­tive meinem Mandala, einen Rahmen aus Rosmarin.

Mandala­legen mit dem Fuss auf der Bremse

Da löst sich plötz­lich etwas in mir. Der Rahmen gefällt mir! Und das Mandala­legen beginnt mich je länger je mehr zu faszi­nieren. Ich habe sogar richtig Spass daran! Manuela moti­viert mich, meinen Impulsen zu folgen und meinen eigenen Weg zu gehen. Das geht immer besser. Und schliess­lich bin ich im Flow! Und das nicht zu knapp! Nur Manuela behauptet steif und fest, dass ich mit einem Fuss weiterhin voll auf der Bremse stehe und nur einen Bruch­teil meines Poten­zials abrufen würde.

Ihre Inter­ven­tionen wecken Erin­ne­rungen. Zum Beispiel an die Zeit, als ich an der EB in Zürich den Vorbe­rei­tungs­kurs zum Deutsch­di­plom der Zürcher Handels­kammer absol­vierte. Mein Lehrer hat mich damals oft gefragt, weshalb ich mich nicht mehr am Unter­richt betei­lige. Ich habe die Stunden und den Lehrer geliebt. Von ihm habe ich mehr gelernt als an allen anderen Schulen zusammen. Ich war mit einem solchen Feuer­eifer dabei, dass ich der Meinung war, mich bremsen zu müssen. Ich hatte Angst, mit meiner Energie und mit meinem Power alles nieder­zu­walzen. Und das wollte ich auf gar keinen Fall!

Den Schalter umlegen – aber wie?

Als Mann will ich natür­lich alles analy­sieren. Und mit dem Kopf Klar­heit schaffen. Warum mache ich das? Wann hat das begonnen? Fallen mir noch andere Geschichten als die Schule ein? Immer und immer wieder will ich von Manuela eine Erklä­rung für mein Verhalten, damit ich es verstehen und ein für allemal aus meinem Leben verbannen kann.

Geduldig erklärt mir Manuela, dass es nicht auf das ankommt. Warum wir auf eine bestimmte Art und Weise handeln, ist völlig wurst. Wichtig ist, dass wir unsere Muster erkennen. Und durch­bre­chen. Ihre Geschichte dazu: «Du hast zwei Bücher in der Hand. Im einen Buch steht alles drin, was du mitbringst. Das andere Buch ist komplett leer. Und du kannst es von A bis Z selber schreiben.» Mein Kopf droht zu explo­dieren. Natür­lich will ich mein eigenes Buch schreiben! Und mein Leben nicht von der Vergan­gen­heit bestimmen lassen! Aber wie soll ich das weisse Buch mit meinem Inhalt füllen, wenn ich nicht verstehe, warum ich immer wieder auf der Bremse stehe. Statt Vollgas zu geben?

Das Mandala nimmt langsam aber sicher Gestalt an. Immer weitere Elemente kommen hinzu. Es ist noch immer keines jener üppigen Mandalas, die ich auf den Social Media Kanälen von Manuela gesehen habe. Aber es ist auch nicht mehr das absolut redu­zierte Ikebana-Bild, das ich am Anfang in meinem Kopf hatte. Und es bekommt tatsäch­lich immer mehr Firle­fanz. Auch die Mitte baue ich kräftig aus. Die Blüte, die zuvor am Boden lag, kommt auf einen Tannen­zapfen, der von Farn­kraut umgeben ist. Das sieht richtig gut aus. Die Blüte kommt super zur Geltung. Und thront maje­stä­tisch in der Mitte des Bildes. Dann lege ich noch vier Blüten aus Manuelas Garten dazu. Ich weiss nicht, ob das gut aussieht. Aber ich weiss, dass es sich richtig anfühlt. Und dass es mein Mandala ist.

Ich habe auf jeden Fall Freude daran. Und mal wieder eine Menge von Manuela gelernt. Über das Leben. Und über mich selbst.

Die Eiche Manuela Krah
Chili Talk: «Alles ist Freude Liebe und Frieden»

Chili Talk: «Alles ist Freude Liebe und Frieden»

Inter­view mit Manuela Olgiati, Chili Talk

Ich poste regel­mässig kleine Anek­doten und Beiträge auf LinkedIn. An manchen Tagen frage ich mich: «Liest das über­haupt jemand?» Denn manche Beiträge bekommen nur sehr wenig «Likes». Umso erstaunter bin ich, wenn mich unbe­kannte Personen auf meine Posts ansprechen.

So war es auch bei Manuela Olgiati vom Online Magazin «Chili Talk». Sie hat mir geschrieben, dass sie meine Posts liest, dass sie meine Posts berühren und dass sie meine Posts zum Nach­denken anregen. Und nicht nur das: Weil ihr meine Beiträge so gut gefallen, hat sie mich gefragt, ob sie einen Artikel über mich schreiben darf.

Ich habe freudig zuge­sagt, und wir haben einen Inter­view-Termin verein­bart. Das Gespräch war eine wunder­bare Erfah­rung für mich. Nicht nur, weil wir beide den glei­chen Vornamen haben: Manuela Olgiati war super vorbe­reitet und hat mir eine Reihe inter­es­santer Fragen gestellt. Zum Beispiel: «Du bist eine erfah­rene Thera­peutin für allerlei Blockaden und Störungen im Leben. Wie bist du auf deinen ‘Berufs- und Herzens-Weg’ gekommen?»

Bei dieser Frage fiel mir die Antwort noch relativ leicht. Bei der näch­sten Frage hatte ich schon mehr Mühe: «Viele Menschen haben das Gefühl, noch nicht alles im Leben gemacht zu haben: Wann kommt man an den Punkt, Hilfe bei dir in Anspruch zu nehmen?» Auch bei der dritten Frage musste ich lange über­legen: «Seelen­reisen, die du Suchenden anbie­test, stellt man sich wie in einer anderen Sphäre vor und doch bleibt dein Klient «tanzend» auf dem Boden. Warum ist Bewe­gung so wichtig?»

Wer mich kennt, weiss: Mir fällt es manchmal schwer, meine Arbeit in Worte zu fassen. Weil es für das, was ich tue, keine Worte gibt. Um meine Arbeit zu erklären, zu fühlen und
zu verstehen, wäre eine andere Kommu­ni­ka­ti­ons­form als Sprache notwendig. Trotzdem ist der Artikel von Manuela Olgiati sehr gelungen und beschreibt mich und meine Arbeit auf leicht verständ­liche Art und Weise. Ich bin begei­stert und auch die ersten Feed­backs sind positiv.

Hier geht’s zum Artikel

Ich freue mich über dein Feedback:

Welche Frage hättest du mir im Inter­view gestellt?

Manuela Krah Chili Talk
Die Eiche — eine spiri­tu­elle Erfah­rung mit der Natur

Die Eiche — eine spiri­tu­elle Erfah­rung mit der Natur

Die Eiche

Meine erste Erfah­rung mit der Eiche

Es ist still und ange­nehm warm. Ich liege entspannt auf dem Stein im Hamam und schliesse noch­mals meine Augen. Da ist es wieder. Dieses Bild eines grossen Baumes. Ich öffne irri­tiert die Augen. Was hat das zu bedeuten?

Am näch­sten Tag entscheide ich mich spontan einen anderen Weg als sonst im Wald zu gehen. Und auf einmal ist er da. Genauso wie ich ihn im Hamam gesehen habe. Ich bin aufge­regt. Beim Baum ange­kommen schaue ich mir die herun­ter­ge­fal­lenen Herbst­blätter an.

Der Baum ist eine alte Eiche mit einem Stamm­um­fang von über 5 Metern. Wow, sie hat mich gerufen. Ich bleibe trotz Kälte da und lehne mich an. Von da an besuche ich sie mehr­mals in der Woche. Ich fühle mich sehr wohl bei ihr. Sie ist für mich meine Baummama.

Spiri­tu­elle Erfah­rung mit einem Baum

Eines Morgens im Früh­jahr geschieht etwas Merk­wür­diges. Ich lehne entspannt mit dem Rücken am Baum­stamm. Auf einmal fühle ich, wie mein ganzes Licht aus meinem Bauch gezogen wird und in die Eiche verschwindet.

Ich bin irri­tiert. Was soll das? Ich kann mich nicht wegbe­wegen und warte. Nach einer gefühlten Vier­tel­stunde fliesst mein Licht wieder zurück. Doch diesmal begleitet vom Licht der Eiche — mit all ihrem Wissen. Einfach so, als Dankeschön.

Ich bin über­wäl­tigt. Es ist eine tiefe spiri­tu­elle Erfah­rung mit der Eiche, die ich nicht mit dem Kopf, sondern nur mit dem Herzen verstehen kann.

Seither sind viele Jahre vergangen, in denen ich junge und alte Bäume besucht habe. Jeder Baum schenkt mir eine neue, einzig­ar­tige Erfahrung.

So kannst auch du eine Baum-Erfah­rung machen

Wenn du Lust hast, selbst eine Verbin­dung mit einem Baum zu spüren, probiere es aus:

  • Nähere dich dem Baum bis etwa zwei Schritte vor seine weit­rei­chend­sten Zweige.
  • Begrüsse den Baum freund­lich und frage, ob du näher treten darfst. Die Antwort kann ein subtiler Impuls sein.
  • Finde deinen Platz und tu, wonach du Lust hast. Viel­leicht anlehnen, still werden oder den Baum einfach betrachten.

Und denk daran, der nächste Baum wird dich wiedererkennen.

Teile deine Baum-Erfahrungen

Hast du auch schon einmal die Energie eines Baumes gespürt? Oder viel­leicht eine beson­dere Begeg­nung mit einer Eiche oder einem anderen Baum erlebt?

Teile deine Erfah­rung mit mir in den Kommen­taren. Ich freue mich sehr darauf, von deinen Geschichten zu hören!

 

 

Die Eiche Manuela Krah