Ich wachte am Morgen auf. Doch ich war gar nicht wirklich hier. Ich war auf der anderen Seite des Meeres, in einem Land, in dem ich halb so alt war wie heute.
Alles fühlte sich vollkommen echt an. Und gleichzeitig wusste ich: Ich bin hier. Ich war hier und dort. Beides war real. Beides fühlte sich wahr an. Und genau das machte mich so unglaublich verwirrt. Wo war ich wirklich?
Dann geschah etwas, das mich noch mehr irritierte. Ich sah, dass ich hier meine Kinder hatte. Und plötzlich stand für mich eine Entscheidung im Raum. Ich entschied mich, hier zu sein. Hier bei meinen Kindern und nicht dort, auf der anderen Seite des Meeres.
Es war eine sehr intensive Erfahrung. Eine Erfahrung, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Ich sagte einem meiner Kinder, was es für mich tun sollte. Was danach geschah, möchte ich hier nicht näher beschreiben. Und plötzlich war ich wieder zurück. Zurück im Hier und Jetzt. Ich sah meine Kinder wieder ganz klar vor mir. Ich war wieder vollständig da. Hier. In meinem Leben. In diesem Moment. Doch etwas war geblieben.
Was ist Zeit eigentlich?
Diese Erfahrung hat meine Vorstellung von Zeit und Wirklichkeit verändert. Denn was, wenn wir nicht so leben, wie wir denken?
Was, wenn Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft nicht so voneinander getrennt sind, wie wir es mit unserem Verstand wahrnehmen? Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, gleichzeitig hier und dort zu sein. Ich war die Frau, die ich heute bin. Und gleichzeitig war ich die junge Frau von damals. Nicht als Erinnerung. Ich war dort.
Es war nicht das Gefühl, mich an eine vergangene Zeit zu erinnern. Es war, als würde ich sie in diesem Moment tatsächlich erleben. Seit dieser Erfahrung beschäftigt mich ein Gedanke: Vielleicht findet nicht alles schön nacheinander statt, wie wir es wahrnehmen. Zeit könnte viel weniger linear sein, als wir glauben. Es gibt Ebenen unseres Seins, die wir im Alltag normalerweise nicht wahrnehmen. Und manchmal bekommen wir einen kleinen Blick dorthin.
Für mich war diese Erfahrung jedenfalls eines ganz klar: Ich kann hier sein und gleichzeitig bin ich in der Vergangenheit. Beides kann sich vollkommen echt anfühlen.
Was diese Erfahrung mit meiner Arbeit zu tun hat
Diese Erfahrung begleitet mich bis heute. Sie hat mich noch achtsamer dafür gemacht, dass nicht alles, was wir erleben, mit dem Verstand erklärbar sein muss. Und dass es sich lohnt, auch den eigenen Wahrnehmungen Raum zu geben.
Genau darum geht es auch in meiner Arbeit.
Ich möchte Menschen nicht sagen, was für sie richtig ist. Ich begleite sie dabei, wieder wahrzunehmen, was in ihnen bereits da ist: ihren Körper, ihre Gefühle, ihre innere Stimme und ihre Seele.
Denn manchmal liegt eine Antwort nicht dort, wo wir sie mit dem Verstand suchen. Sondern dort, wo wir beginnen, wirklich hinzuspüren. Vielleicht ist unsere Wirklichkeit grösser, als wir bisher gedacht haben. Und es gibt weit mehr zwischen dem Hier und Dort, als wir mit unseren Augen sehen können.
Was, wenn alles gleichzeitig stattfindet?
